Translationale Forschung

TitelthemaTranslation

Gemeinsam
schneller
für die
Menschen

Sie erfolgt fächerübergreifend und gemeinsam mit vielen Partnern: Erfolgreiche Translation übersetzt Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller in die medizinische Praxis.

DDie Erfolgsliste der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) ist jung und doch schon lang. Sie verzeichnet Fortschritte bei den wichtigsten Volkskrankheiten – eine verbesserte Wirkung von Medikamenten und Therapien, die Linderung von Leid und bessere Chancen auf ein langes, gesundes Leben. Das ist ein Anfang und ein Beleg dafür, dass die Bündelung der Kräfte und der Aufbau neuer wissenschaftlicher Infrastrukturen eine richtige Entscheidung war.

Von 10.000 neu entdeckten Wirkstoffen aus der medizinischen Grundlagenforschung schafft es nur einer bis zur Anwendung beim Patienten, die durchschnittliche Entwicklungsdauer beträgt rund 15 Jahre. Die Entwicklung von medizinischen Innovationen zu beschleunigen – das ist das Ziel der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden zwischen 2009 und 2011 sechs Zentren gegründet, um die Ursachen von Volkskrankheiten besser zu verstehen und Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller in die Praxis zu überführen.

„Mit den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung wurde ein wertvoller Mehrwert für das deutsche Wissenschaftssystem geschaffen.“

Martina Brockmeier,
Vorsitzende des Wissenschaftsrates

Was ist die zentrale Idee dahinter? Exzellente universitäre und außeruniversitäre „Gesundheitsforscher" aus ganz Deutschland arbeiten in diesen Zentren für das Wohl der Patienten enger zusammen. Grundlagenforscher, die in erster Linie am Erkenntnisgewinn interessiert sind, und klinische Forscher, denen es um die sichere, erfolgreiche Anwendung neuer medizinischer Erkenntnisse geht, kooperieren so intensiv wie nie zuvor.

Interdisziplinär, intensiv, erfolgreich

Die deutsche Gesundheitsforschung bündelt in den DZG dauerhaft ihre Kräfte, ohne die Autonomie der beteiligten Einrichtungen zu beschneiden. Starre Grenzen zwischen den Institutionen – insbesondere die zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung – werden überwunden. Die Partner und Einrichtungen arbeiten in gemeinsamen Forschungsprojekten gleichberechtigt zusammen. In interdisziplinären Teams werden die Volkskrankheiten aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, werden Lücken in der Forschungskette bis hin zur wirtschaftlichen Verwertung geschlossen, Irrwege schneller erkannt und vermieden. Der Weg vom Forschungsergebnis hin zur Anwendung beim Patienten wird dadurch beschleunigt.

Die Zentren widmen sich folgenden Volkskrankheiten: Krebs (DKTK), neurodegenerativen Erkrankungen (DZNE), Infektionskrankheiten (DZIF), Diabetes (DZD), Lungenerkrankungen (DZL) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DZHK). Zwei weitere Zentren für Kinder- und Jugenderkrankungen und psychische Erkrankungen sind in Gründung.

Insgesamt arbeiten für den Fortschritt 36 medizinische Fakultäten und Universitätskliniken mit rund 90 außeruniversitären Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und von Ressortforschungseinrichtungen des Bundes zusammen. Weiterhin gibt es Kooperationen mit Wissenschaftlern im In- und Ausland.

Deutsche Zentren
der Gesundheits-
forschung

Darstellung der Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

„In der Grundlagenforschung wächst das Wissen sehr schnell, manchmal geradezu exponentiell.“

„In der Grundlagenforschung wächst das Wissen sehr schnell, manchmal geradezu exponentiell“, erklärt Otmar Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Der Neuropathologe war seinerzeit an der Gründung der Zentren beteiligt.

Als Chef der größten außeruniversitären Forschungsgemeinschaft weiß er, dass es oft ein zu langer Weg von einer Erkenntnis im Labor bis zu einer therapeutischen Innovation ist. Die DZG wollen diesen Weg verkürzen.

Nur wenige Jahre nach der Gründung der DZG habe sich in der Welt herumgesprochen, wie vernetzt Deutschland die Translation nun anpacke. Schon jetzt seien die DZG eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, so Wiestler. Während der Bedarf an translationaler Forschung rapide steige, bildeten die DZG genau die richtige Antwort Deutschlands auf die Spitzenhochschulen und Zentren in den USA.

Translationale Forschung

Der Beginn einer neuen, offenen Forschungskultur

Die Herausforderungen sind dabei für alle klar: Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf- und andere altersabhängige, meist chronische Krankheiten nehmen rapide zu, weil die Lebenserwartung steigt und der Lebensstil sich ändert. Resistente Erreger sind auf dem Vormarsch. Weltweite Mobilität zieht nach sich, dass sich Krankheitserreger global verbreiten. Die Volkskrankheiten verursachen viel Leid bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Es entstehen in Deutschland Krankheitskosten von rund 100 Milliarden Euro im Jahr. Neue Therapien sind dringend nötig.

„Mit den DZG wurden wirklich neue Strukturen geschaffen. Sie beschleunigen die Forschung und geben ihr zugleich mehr Zeit, vielversprechende Ideen weiterzuentwickeln.“

Heyo K. Kroemer, Dekan der Universitätsmedizin Göttingen und Präsident des Medizinischen Fakultätentages

In Zukunft müssen sich deshalb noch mehr Forscherinnen und Forscher diesem Thema widmen. Früher gab es für den wissenschaftlichen Nachwuchs nur wenige Anreize, Forschung an der Schnittstelle zwischen Labor und klinischer Entwicklung zu betreiben. Die DZG entwickeln deshalb Karrierewege, um die gemeinsame Bekämpfung der Volkskrankheiten für Nachwuchswissenschaftler attraktiv zu machen. Förderprogramme für junge Mediziner etwa bieten mehr Freiraum für Forschung. Es entstehen fächerübergreifende Netzwerke für junge translationale Forscher.

Große Studien,
viele Gesundheitsdaten

„Dank der engen Zusammenarbeit mehrerer Standorte ist es leichter geworden, gemeinsam mit Partnern aus der Industrie große klinische Studien mit Tausenden Patienten nach den geltenden Standards zu realisieren“, sagt Heyo K. Kroemer, Vorstandssprecher der Universitätsmedizin in Göttingen. Als Präsident des Medizinischen Fakultätentages vertritt er insbesondere die Sicht der Universitätskliniken. „Durch den engen Zusammenschluss bietet sich uns die Chance, Gesundheitsdaten deutschlandweit zusammenzutragen und medizinisch auszuwerten."

Der Ansicht, dass die DZG den medizinischen Fortschritt beschleunigen können, ist auch der Wissenschaftsrat: 2017 stufte er die Zentren als „uneingeschränkt weiter zu fördern" ein.

Nicht alle translationalen Prozesse seien in einem Stadium, das sich schon in drei bis fünf Jahren zum Erfolg führen lässt. Die DZG – zu 90 Prozent finanziert vom Bund und zu 10 Prozent von den Sitzländern – sind jedoch auf Dauer angelegt. Kroemer:

„Hier wurden wirklich neue Strukturen geschaffen. Sie beschleunigen die medizinische Forschung und geben ihr zugleich langfristig ein ausreichendes Maß an Zeit."

Translation.
Forschen für
Patienten.

Die translationale Forschung orientiert sich an den Bedürfnissen von Patienten. Sie durchläuft verschiedene Phasen und Rückkopplungsschleifen. Die deutschen Zentren der Gesundheitsforschung sorgen dafür, dass medizinischer Fortschritt den Patienten schneller zugutekommt.

Phasen der translationalen Forschung

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