SYNERGIE – Forschen für Gesundheit
Das Magazin der Deutschen Zentren
der Gesundheitsforschung (DZG)

Newcomer im Porträt – Qihui Zhou und Thomas Wolfers

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DEM THROMBOSERISIKO
AUF DER SPUR
DR. KAMI ALEXANDER PEKAYVAZ ERFORSCHT, WIE STRESS DAS IMMUNSYSTEM ÜBERREAGIEREN LÄSST
DR. MED. KAMI ALEXANDER PEKAYVAZ
Dr. med. Kami Alexander Pekayvaz ist Arzt und seit 2025 DZHK- Nachwuchsgruppenleiter am LMU Klinikum München. Nach dem Medizinstudium in München mit Forschungsstationen in Oxford folgte eine Promotion über Atherosklerose. Er wurde unter anderem als „Clinician Scientist of the Year“ am LMU Klinikum (2025) ausgezeichnet und ist Erstautor mehrerer „Paper of the Month“-Publikationen.
Warum aktiviert unser Immunsystem unter Stress manchmal Mechanismen, die uns schaden, statt uns zu schützen? Für Dr. Kami Alexander Pekayvaz ist das keine theoretische Frage. Als Arzt behandelt er am LMU Klinikum in München Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie. Zugleich leitet er eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte Nachwuchsgruppe, die untersucht, wie Stresshormone, Immunzellen und Blutgerinnung zusammenwirken. Die Förderung beläuft sich auf 1,65 Millionen Euro für sechs Jahre. Im Zentrum seiner Forschung steht das Zusammenspiel von Stresshormonen und Neutrophilen – jenen Immunzellen, die bei Gefahr schnell reagieren. „Kleine Blutgerinnsel können bei Infektionen Krankheitserreger lokal begrenzen und so ihre Ausbreitung verhindern“, so Pekayvaz. Wenn diese Reaktion entgleist, drohen Thrombosen. „Dann verschließen Gerinnsel größere Gefäße und lösen lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall aus.“ Seine Hypothese: Stress verändert das Zusammenspiel zwischen Hormonen und Immunzellen auf molekularer Ebene. Pekayvaz untersucht die Rolle der Neutrophilen dabei. Was passiert, wenn sie nicht mehr auf Stresshormone wie Adrenalin reagieren – oder zu stark? Könnte man diesen Prozess beeinflussen? Und lässt sich voraussagen, wer besonders gefährdet ist?

Klinik trifft Forschung

Etwas anderes als Medizin kam für ihn nie infrage, schon als Jugendlicher auf dem Internat in England richtete er seine Fächerwahl darauf aus, spezialisierte sich dann auf die Verbindung von Immunsystem, Stress und Gerinnung. Die LMU sei für diese Forschung der ideale Ort: „Die Infrastruktur hier erlaubt es uns, molekulare Mechanismen bis ins Detail zu untersuchen – von Einzelzellanalysen über genetische Tiermodelle bis hin zur bioinformatischen Auswertung großer klinischer Datensätze.“ Die eigene Nachwuchsgruppe ermöglicht es ihm, langfristig und systematisch zu arbeiten – mit einem klaren Ziel: neue Erkenntnisse möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen. „Und klar: München ist eine tolle Stadt.“

Herz-Kreislauf-Prävention neu denken

Privat begegnet Pekayvaz Stress am liebsten durch Sport. Doch seine wissenschaftliche Vision geht weit über individuelle Stressbewältigung hinaus. Langfristig will er dazu beitragen, stressbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen früher zu erkennen und zu verhindern. „Idealerweise haben wir dann Signaturen identifiziert, mit denen man Herzinfarkt oder Schlaganfall prognostizieren kann – ganz ohne invasive Untersuchungen und Strahlenbelastung.“
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DIE NISCHE
NUTZBAR MACHEN
DR. CELIA DOBERSALSKE ENTDECKTE WÄHREND IHRER DOKTORARBEIT, DASS SICH IN DER NÄHE VON BÖSARTIGEN GLIOBLASTOMEN HOCHPOTENTE IMMUNZELLEN IM KNOCHENMARK VERSTECKEN.
DR. CELIA DOBERSALSKE
Dr. Celia Dobersalske hat Medizinische Biologie an der Universität Duisburg-Essen studiert und war während ihrer Promotionszeit Fellow an der DKTK School of Oncology und der Helmholtz International Graduate School (HIGS) über das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Aktuell forscht sie im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), Partnerstandort Essen/Düsseldorf, am Westdeutschen Tumorzentrum als Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe Translationale Neuroonkologie unter der Leitung von Prof. Dr. Björn Scheffler.
Trotz vielseitiger Therapieansätze ist das Glioblastom – ein häufig auftretender Hirntumor – bis heute unheilbar und wirft viele Fragen auf. Besonders über die Interaktion der Tumore mit dem Immunsystem weiß die Medizin bisher sehr wenig. Genau das motivierte Celia Dobersalske, sich diesem Forschungsthema zu widmen: „Da die Diagnose Glioblastom so dramatisch ist und es noch viele Forschungslücken gibt, könnte jeder Tag neue Erkenntnisse bringen, die bessere Behandlungsmethoden für Patientinnen und Patienten möglich machen.“

Überraschende Spur im Knochenmark

Bei ihrer Forschung im DKTK im Labor von Prof. Scheffler profitiert die medizinische Biologin vor allem von der engen Anbindung an die medizinische Praxis. „Die Zusammenarbeit mit den Kliniken, insbesondere im Bereich Neurochirurgie, ermöglicht es uns, mit Material zu arbeiten, das in meinen Augen etwas ganz Besonderes ist“, sagt Dobersalske. Sie und ihr Team setzen in diesem Projekt ausschließlich auf Humanmaterial – Gewebe, das direkt im Zuge von Tumoroperationen bei Patientinnen und Patienten gewonnen wurde. Darin entdeckten sie in der Nähe der Tumore hochpotente Immunzellen, die eine essenzielle Rolle bei der Krebsabwehr spielen und eine neue Perspektive für die Therapie eröffnen könnten. Die T-Zellen sind in einer versteckten Nische im Knochenmark der Schädeldecke zu finden. Für diese Arbeit erhielt Celia Dobersalske den Helmholtz-Promotionspreis, der mit 5.000 Euro Preisgeld sowie einem Travel Grant von bis zu 12.000 Euro dotiert ist.

Neue Perspektiven in der Krebstherapie

Künftige Studien sollen nun untersuchen, wie diese Zellen gezielt in neue Therapiekonzepte eingebunden werden können: „Unsere Aufgabe ist es jetzt, zu ergründen, wie wir diese Nische nutzbar machen können, indem wir beispielsweise bei operativen Eingriffen zur Entfernung des Glioblastoms Schäden am Knochenmark minimieren, um die wertvollen Abwehrzellen zu erhalten“, so Celia Dobersalske. Den Travel Grant möchte sie nutzen, um ihr Wissen hinsichtlich der T-Zellen und Antigenrepräsentation weiter zu vertiefen.
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